Anderseits
konnte sie aber sehr hart und unnachgiebig sein. Aktaion,
Sohn des Aristaios und der Autonoë,
der sie nackt beim Bade sah, wurde von ihr unbarmherzig bestraft.
Sie verwandelte ihn in ein Reh und liess dieses von fünfzig
wilden Hunden zerreissen. Auch Niobe, die
Gemahlin des Königs von Theben, Amphion,
lernte die Rache Artemis und des Apollon kennen.
Stolz auf ihre vierzehn Kinder, sieben Söhne und sieben
Töchter, rühmte sich Niobe einst,
dass sie eine bessere Mutter als Leto sei,
die nur zwei Kinder habe. Kaum hatten sie von dieser beleidigenden
Bemerkung über ihre Mutter erfahren, tötete Artemis
sechs Töchter der Niobe und Apollon die
gleiche Anzahl ihrer Söhne.
Vieles wird erzählt über die Listen, welche die Göttin
anwandte, um ihren Liebestollen Bedrängern zu entgehen.
Einst verliebte sich der Fluss Alpheios in
die Göttin und beschloss, sie während eines nächtlichen
Festes zu überraschen, das Artemis mit ihren Gespielinnen
in der Gegend feiern wollte. Die Göttin jedoch, die von
seinen Absichten erfahren hatte, traf ihre Vorkehrungen. Sie
selbst und all ihre Freundinnen, die zu dem Fest kamen, hatten
sich das Gesicht mit einer dicken Lehmschicht bedeckt, so das Alpheios nicht
herausfinden konnte, welches der Mädchen denn nun Artemis
war und unverrichteter Dinge von dannen zog.
Nur in Hera fand die unbändige Zeustochter
ihre Meisterin. Im Trojanischen Krieg unterstützte Artemis
die Troer und stellte sich in voller Bewaffnung vor Hera auf,
die den Griechen beistand. Entzürnt schleuderte Hera Bogen
und Köcher der Jagdgöttin fort und zwang die sonst
furchtlose Artemis, mit Tränen in den Augen das Schlachtfeld
zu verlassen.
Herkunft von Artemis
Der Kult der Artemis, deren Name nicht aus dem Griechischen
hergeleitet werden kann, scheint von Kleinasien aus nach Griechenland
gekommen zu sein. Als Göttin der Berge und Beschützerin
der Tierjungen nahm sie die Stelle der achaiischen potnia Theron
ein, die als Gebieterin der wilden Tiere verehrt wurde. Artemis
wurde auch mit Selene und anderen Mondgottheiten wie Rhea,
Kybele und Hkate gleichgesetzt; ferner war sie das weibliche
Gegenstück zu Apollon, der auch als Sonnengott angebetet
wurde. Schliesslich beschützte die Göttin die Gebärenden
sowie in weiterem Sinne auch die Mütter und die heranwachsenden
Kinder.
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