Hera beschützte alle, die sie ehrten,
doch war sie hart und rachsüchtig allen jenen gegenüber,
die ihre Macht missachteten oder den Schwachen und den
Schutzlosen Unrecht zufügten. Mit besonderer Hartnäckigkeit
verfolgte sich die Geliebten und die unehelichen Kinder
ihres Gemahls. Leto, die mit Apollon und Artemis schwanger
war, liess sie nicht gebären. Und die Nymphe Kallisto,
die in Arkadien lebte, verwandelte sie in einen Bären
und liess diesen durch Artemis, nach anderen
durch ihren eigenen Sohn Arkas, töten.
Was Herakles betraf, so strafte sie ihn
sein ganzes Leben lang dafür, dass ihm sein Vater
mit besonderer Liebe zugeneigt war.
Einst war Hera angesichts der wiederholten Untreue ihres
Gemahls so verzweifelt, dass sie sich von ihm trennen wollte.
Sie ging nach Euböa und kehrte trotz der flehentlichen
Bitten des Zeus nicht zurück. Jedoch Kihairon,
der ein weiser König war, riet ihm, eine hölzerne
Kultstatue in Brautgewänder zu hüllen und überall
zu verbreiten, dass er heirate. Als Hera davon erfuhr, kam
sie in Windeseile, sprang auf den Hochzeitswagen und zerris
den Schleier der 'Braut’. Als sie die List erkannte,
lachte sie zufrieden und versöhnte sich wieder mit dem
König der Götter.
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