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© Andreas
Brüderlin
2004 - 2009 |
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Die
griechische Küche ist den meisten Urlaubern schon
bekannt.
Viel besser als zu Hause schmeckt sie allerdings unter freiem
Himmel bei einer schwachen Brise vom Meer her...
Wie überall, wo das Tourismusgeschäft den Alltag
bestimmt, hat die so genannte internationale Küche Einzug
gehalten und damit zu einer bestimmten Einförmigkeit geführt.
Das ist auch auf Kos und seinen Nachbarinseln nicht anders – die
Pommes- und Cola-Kultur hat die traditionelle Küche ein
Stück weit in den Hintergrund gedrängt. Zugegeben:
Als Schlemmerparadies war Griechenland nie bekannt. Doch
noch immer gilt: Ein aus frischen Zutaten bereitetes Gericht
in einer typischen Taverne, mit regionalen Kräutern
verfeinert, wird kaum einen Besucher enttäuschen. Auch
das Weinangebot braucht keinen Vergleich zu scheuen.
Griechische Essgewohnheiten

Ein ausgiebiges Frühstück entspricht
ganz und gar nicht griechischen Essgewohnheiten. Ein Tässchen Kaffee, Toast mit Butter und Marmelade – das
war’s dann auch schon. Doch keine Sorge: Die meisten
Hotels haben sich auf die Bedürfnisse der Pauschaltouristen
eingestellt und bieten ein erweitertes Frühstück
an, das man sich am Buffet zusammenstellen kann. Das ist jedoch
nicht
überall der Fall, so dass es in manchen Fällen besser
ist, nur die Übernachtung zu buchen und sich sein Frühstück
in einem Café selbst zu ordern. In
den Touristenzentren können Sie vielerorts bereits ab
11.00 Uhr ein Mittagessen
zu sich nehmen. Für den kleinen Hunger zwischendurch
reichen häufig auch die Imbissstuben (Psistaría),
in denen Sie sich mit Gíros über
den Tag retten können.
Hauptmahlzeit der Griechen ist das Abendessen.
Dann hat die Hitze des Tages nachgelassen, und man kann genüsslich
in geselliger Runde speisen. Während in den Hotels das Essen
meist gegen 19.00 Uhr serviert wird und manche Restaurants ab
18.00 Uhr Abendessen anbieten, gehen Griechen häufig
erst gegen 21 oder 22.00 Uhr in
die Tavernen. Entsprechend lang wird dann auch getafelt. Natürlich
hat der Massentourismus diese Grenzen durchbrochen, und vielerorts
werden Sie inzwischen beinahe rund um die Uhr mit Essen versorgt.

Griechenland-Neulinge sind beim ersten Mal wahrscheinlich
verblüfft: Griechisches Essen, ausgenommen Gegrilltes,
wird traditionell lauwarm serviert,
heisse Speisen auf dem Tisch sind Zugeständnisse
an die Ansprüche der Touristen und kommen aus der
Mikrowelle. Bewerten Sie es also nicht als Unhöflichkeit,
wenn Sie, vor allem in einfachen Tavernen abseits der
Touristenzentren, kein dampfendes Gericht vor sich haben. Nach
griechischer Auffassung kommt der Eigengeschmack der
verschiedenen Zutaten nur lauwarm richtig
zur Geltung. Dies gilt vor allem für den wichtigsten
Bestandteil fast jeden Gerichts: Olivenöl.
Für manche Besucher anfangs gewöhnungsbedürftig,
ist es jedoch nicht nur schmackhaft, sondern auch gesund,
wie wissenschaftliche Untersuchungen der letzten Jahre
erwiesen haben. In vielen Restaurants und Tavernen werden
Sie mittlerweile mit mehrsprachigen Speisekarten erwartet.
Meist sind jedoch nur diejenigen Gerichte verfügbar,
die auch mit einem Preis versehen sind. Eine
liebenswerte und appetitanregende griechische Tradition
tritt mit zunehmendem Massenbetrieb leider immer stärker
in den Hintergrund: sich nicht auf die Speisekarte zu verlassen,
sondern die Zusammensetzung seines Essens
angesichts der Speisen zu bestimmen.
In einigen kleineren Tavernen ist es noch
üblich, am Tresen oder in der Küche zuerst
einmal einen Blick in die verschiedenen Tiegel, Töpfe
und Pfannen, ja sogar in den Kühlschrank zu werfen,
die fertigen Gerichte zu begutachten und sich „mit
den Augen Appetit zu machen“.



Wird nicht besonders darauf hingewiesen, wird in Griechenland
alles auf einmal serviert. Will man das vermeiden oder kann
man sich nicht verständlich machen, so ist es am besten,
die einzelnen Gerichte einfach nacheinander zu
bestellen. Die
griechische Tischgesellschaft, die Paréa,
folgt meist einer sympathischen Tradition, die zur Nachahmung
empfohlen wird: Man bestellt gemeinsam, alles wird auf
dem Tisch aufgebaut, und jeder nimmt sich von den zahlreichen
Tellern das, was ihm schmeckt. Auf diese Weise kann man
zahlreiche verschiedene Gerichte probieren. Nach
griechischer Sitte bezahlt am Schluss einer
für alle, eine Ehre, um die heftigst gestritten
wird. Noch immer führt es daher bei manchen Kellnern
zu Schwierigkeiten, wenn mehrere Personen an einem Tisch
einzeln bezahlen wollen. Im Rechnungspreis sind Mehrwertsteuer
und Bedienung enthalten.
Die unterschiedlichen Lokaltypen
Das Estiatório ist ein Restaurant mit
allen Arten von Speisen, ob Fisch oder Fleisch, Gebratenes, Gegrilltes oder Suppen.
Hierher geht man eigentlich nur zum Essen, ohne sich hinterher
noch lange aufzuhalten. In der Praxis kaum noch davon zu unterscheiden
ist die bereits in den deutschen Sprachschatz aufgenommene Tavérna.
Ursprünglich ein Weinlokal mit einfachen
Gerichten, bekommt man heute auch hier eine breite Palette
an Speisen. Bis spät in die Nacht sitzen hier noch gesellige
Runden zusammen. Nur noch relativ selten findet man eine Psárotavérna,
eine auf Fischgerichte spezialisierte Taverne.
Das Kafeníon ist noch immer beliebtester
Aufenthaltsort vor allem der griechischen Männerwelt.
Sie ist Nachritenbörse, politischer
Stammtisch und Freizeittreff in einem.
Hier bekommen Sie nur in Ausnahmefällen auch etwas zu
essen. In einer Ouzerí wird, wie der
Name schon verrät, Ouzo serviert, aber
auch andere Getränke, dazu kleine Vorspeisen.
Eine Zacharoplasteíon, eine Konditorei
mit einer grossen Auswahl an süssen Törtchen, Kuchen und Keksen,
sollte man am besten am Nachmittag aufsuchen.
Getränk Nummer eins in Griechenland, ob zum Kaffe oder
beim Essen, ist Wasser. Früher wurde
bei jeder Bestellung ungefragt und kostenlos ein Glas oder
eine Karaffe Wasser serviert, heute muss man meist eine Plastikflasche
mit abgefülltem Wasser bestellen.
Getränke

Mittlerweile haben mehrere grosse europäische
Bierbrauereien Niederlassungen in Griechenland eröffnet,
Firmen wie Löwenbräu, Heineken, Amstel und Karlsberg
produzieren ihren Gerstensaft also auch vor Ort. Sehr gut
schmeckt jedoch auch griechisches Bier, das unter dem tiefsinnigen
Namen „Mythos“ oder „Zorbas“
angeboten wird.
Doch noch immer ist Wein das traditionelle Getränk zum
Essen. Der Weinverbrauch in Griechenland liegt doppelt so hoch
wie in Deutschland. Der
geharzte Retsína allerdings ist
nicht jedermanns Geschmack. Harz wird dem Wein übrigens
anstelle von Schwefel zur Konservierung beigefügt,
der Bekömmlichkeit ist das ohne Zweifel sehr förderlich. Die Winzer-genossenschaft auf Kos produziert aber auch andere
bekömmliche Weine wie den trockenen Weissen „Gláfkos“,
den ebenfalls trockenen „Apellis“ und
die süssen Rotweine „Nectar“ und „Vereniki“.
Natürlich werden auf Kos auch andere gute Weine angeboten,
Weine aus Rhodos, Naoússa und
von der Chalkidiki. Die
bekanntesten griechischen Spirituosen haben auch bei uns
längst Einzug gehalten. Neben Brandy oder
dem Weinbrand Metaxa gilt das vor allem
für Ouzo, einem Anisschnaps,
der sowohl pur als auch verdünnt mit Wasser oder Eis
getrunken werden kann. In sich haben es auch die reinen Tresterschnäpse, Rakí oder Tsípouro.
Jede Tageszeit eignet sich in Griechenland für einen
Kaffee.

Wenn Sie vermeiden wollen, dass Ihnen Néscafé
serviert wird, bestellen Sie einen Café Ellinikó,
ein starkes, mokkaähnliches Getränk ohne Milch, zu
dem stets ein Glas Wasser gerreicht wird. Dieser
Mokka wird verschieden stark und unterschiedlich süss
serviert
– das ist fast schon eine Wissenschaft für sich.
Das wichtigste für den Anfang: glikó =
sehr süss; métrio = mit etwas
Zucker; skéto = ohne Zucker. Sehr erfrischend
ist auch ein kalter, schaumig geschlagener und mit Eiswürfeln
servierter Néscafé (Frappé). Unser persönlicher Tipp für's Frappé: eine Kugel Vanille- oder Schokoladeneis dazu, das gibt dem Frappé noch ein zusätzliches Erlebnis! ;-)

Zu den traditionellen
griechischen Gerichten gehört Moussakás,
ein im Allgemeinen sehr sättigender Auflauf aus
Kartoffeln, Auberginen und Hackfleisch, der sich auch
sehr gut für eine Zwischenmahlzeit eignet und fast überall
zu bekommen ist. Besonders zart und frisch kommen Dolmadákia auf
den Tisch, junge, eingerollte Weinblätter,
zum Teil mit verschiedenen Gewürzen und Reis gefüllt.
Einen herrlichen Abschluss einer Mahlzeit stellt Jaúrti me
meli dar, ein bisweilen sogar hausgemachter, offener
Jogurt, den man am besten zusammen mit Thymianhonig probieren
sollte.
Griechische Köstlichkeiten (aus Griechenland importiert) gibt es übrigens auch in der Schweiz: www.greekfood.ch
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