Nisyros (Nissiros)
Nisyros (griechisch Νίσυρος) ist eine griechische Insel in der Ägäis, welche zu der Inselgruppe der Dodekanes gehört, in deren Zentrum sie liegt. Zusammen mit Gyali (auch Yali genannt) und einigen unbewohnten Inselchen bildet sie eine Gemeinde (griechisch δήμος, Dimos) in der Präfektur Dodekanes. Sie hat eine Größe von rund 41 km² und wird von ungefähr 1.200 Menschen bewohnt. Fast im Zentrum befindet sich die Caldera, ein Vulkankrater mit einer Länge von 3.500 m und einer Breite von 1.500 m.
Die Entstehung von Nisyros
Wir wissen nicht, wann das geschmolzene Gestein im Gebiet von
Nisyros zum ersten Mal aufzusteigen begann oder wann die
Entstehung des Unterwassersockels der Insel anfing. Die
antiken Griechen freilich hatten eine genaue Vorstellung
sowohl von der Zeit als auch von der Art und Weise der
Entstehung der Insel.
"Von Poseidon über
das Meer gejagt gelangte Polybotis nach Kos. Aber Poseidon
brach schnell ein Stück aus der Insel heraus und
liess es auf ihn fallen. Dieses Stück bildet heute
die Insel mit dem Namen Nisyros."
So
erzählt Apollodoros in seiner Bibliothek den griechischen
Mythos über die Geburt der Insel. Mehr oder weniger
die gleiche Erzählung greift auch Strabo in seiner Geographie
auf, als er die Insel erwähnt:
"Sie betrachten
Nisyros als einen Teil von Kos. Sie erzählen die
Geschichte, wie Poseidon Polybotis, einen der Giganten,
verfolgte und mit seinem Dreizack ein Stück aus
der Insel Kos hinausstach und es auf diesen schleuderte.
Dieses Stück wurde die Insel Nysiros, die den
Giganten unter sich begraben hält."
Dieser wunderbare Mythos enthüllt,
dass unsere Vorfahren wussten, dass die Insel Nisyros ein
Vulkan ist und dass seine Gesteine denen des südwestlichen
Kos ähneln. Ebenso wussten oder ahnten sie, dass die
häufigen lokalen, von lautem Krachen begleiteten Beben,
welche die Insel in jenen Zeiten heimsuchte, mit demselben
Mechanismus in Zusammenhang stehen, der auch zu der Entstehung
der Insel selbst geführt hat. Die eingeschlossene Energie
des geschmolzenen Gesteines und der heisse Strom unter Nisyros
nahmen in dem Giganten Polybotis, der sich in seinem unterirdischen
Gefängnis ächzend aufbäumt, die Gestalt eines
Lebewesens an.

Eine der Gegebenheiten, die wir mit grosser
Sicherheit annehmen können, ist die Tatsache, dass es
hunderttausende Jahre vulkanischer Aktivität unter Wasser
bedurfte, bevor erst die erste Spitze der Insel aus der Ägäis
auftauchte.
Die Entstehung von Nisyros begann in einer Tiefe von 300
Metern auf einem Fundamet aus Kalksteinfelsen. Diese wiederum
waren vor etwa 150 Millionen Jahren durch die Aktivität
und Ablagerung von Meeresorganismen (Korallen und Krustentiere)
im seichten Wasser entstanden. Sie stammten aus der Zeit,
als sich die Alpen bildeten (Trias).
Die gleichen Gesteine
wie die, auf denen der Vulkan Nisyros sich zu erheben begann,
sind heutzutage an der türkischen Küste (Lykien)
und bei der Insel Kandeleoussa (oder Andeleoussa
oder Phanari) anzutreffen, 25 Kilometer südwestlich
von Nisyros.
Die unteren Schichten der Lava unter Wasser,
die das Fundament von Nisyros bilden und bei denen es sich
somit um die ältesten auf der Insel vorhandenen Steine
handelt, sind heute an der Nordwestküste zu betrachten,
wo Aufwärtsbewegungen und Risse diese über den
Meeresspiegel hoben. Sie sind am deutlichsten in nächster
Nähe von Mandraki, unterhalb des Panagia Spiliani-Klosters,
zu sehen. Die ungewöhnlichen hier anzutreffenden Formationen,
die
"Kissenlava" (Pilow-Lava), wie Vulkanologen diese
genannt haben, wurden durch die besonderen Bedingungen der
Ablagerung des Magmas unter Wasser erzeugt. Die runden schwarzen
Steine in der Chochlaki-Bucht sind alle
Teile dieser Lava-Kissen, die allmählich durch Brandung
und Wellen abgerundet wurden. Kissenlava ist über 160'000
Jahre alt.
Die Gesteine von Nisyros
Wie bereits zuvor erwähnt, besteht die Insel Nisyros rein
aus vulkanischen Gesteinen. Deren Art und Zusammensetzung hängen
direkt von dem Magma ab, das am Anfang ihres Entstehungsprozesses
stand. Im Falle Nysiros handelt es sich bei dem ursprünglichen
Magma, welches die Vulkantätigkeit auslöste, um das,
was die Geologen als Kalk-Alkali-Basalt bezeichnen: um eine
Flüssigkeit aus Siliziumdioxid mit einem Gewichtsanteil
von 50%, Aluminiumtrioxid (19%), Magnesium- und Eisenoxid (8%),
Kalziumoxid (12%), Natriumoxid (2.5%) und weniger als 1% Titanoxid
und Kaliumoxid.
Die Vegetation von Nisyros

Die Struktur des Vulkangesteins (amorphes Glas und kristalline
Minerale) hängt sowohl von der Zusammensetzung des Magmas
als auch von der Geschwindigkeit, mit der das geschmolzene
Gestein abkühlt, ab. Daher hängt der Anteil von vulkanischem
Glas - als Beispiel für ein amorphes Material, dass durch
das plötzliche Abkühlen des geschmolzen Gesteines
entsteht - in erster Linie von der Geschwindigkeit ab, mit
der das Magma abkühlt; es kommt in Rhyolit in grösserer
Menge vor als in Basalt. Bei den kristallinen Mineralen verhält
es sich genau umgekehrt. Sie sind in Basalt in grösserer
Menge vorhanden als in Rhyolit.
Im Gestein von Nisyros
findet man folgende kristalline Minerale:
Feldspat: Mineral aus Silizium,
Aluminium, Kalzium, Natrium, und Kalium, in der Form weisser,
durchsichtiger Kristalle.
Pyroxenit: Mineral aus Silizium, Kalzium,
Eisen und Magnesium, in der Form dunkelgrüner bis schwarzer
Kristalle.
Stilbit: Mineral aus Silizium, Magnesium,
Kalzium, Eisen, Natrium, uns Titan, in der Form grüner
bis grauer Kristalle.
Olivin: Mineral aus Magnesium, Eisen und Silizium,
in der Form honigfarbener bis olivgrüner Kristalle.
Nisyros besteht nicht nur aus dem berühmten Stephanos-Krater in
der Mitte der Insel. Nisyros in seiner Gesamtheit ist ein
einziges, gewaltiges vulkanisches Zentrum. Es gibt keinen
einzigen Stein auf der Insel, der nicht vulkanischen Ursprungs
wäre, keine einzige Gesteinsschicht - die Insel besteht
aus hunderten derartigen Schichten -, die nicht durch Ablagerungen
nach einem Vulkanausbruch entstanden wäre. Die gewaltige Vielfalt an Zusammensetzungen
und Formen der Gesteine, welche die Insel bilden, die ausgedehnten
und leicht zugänglichen natürlichen Einschnitte
im freiliegenden Gestein und das ausgezeichnete Klima das
ganze Jahr hindurch machen Nisyros zu einem Freilichtmuseum für
die Geologie; zu einem der geeignetsten Orte auf der Welt, um die

dynamischten Kräfte auf unserem Planeten zu bewundern
und zu studieren, zu lehren und zu lernen; zu einem Paradies
nicht nur für Vulkanologen, sondern für alle Besucher,
die die Natur lieben und achten und danach streben, etwas
von ihrer ewigen Weisheit zu lernen und damit ihre eigene,
zeitlich äusserst begrenzte irdische Existenz zu bereichern.
Es sind nicht nur die geologischen Eigenschaften, die Nisyros
zu einem idealen Ort für eine solch fruchtbare Begegnung
von Mensch und Natur machen. Die Struktur und die Zusammensetzung
der Insel boten die Voraussetzung für die Entwicklung
einer Fauna und Flora von erstaunlicher Vielfalt.
Nisyros ist der einzige aktive Vulkan der Ägäis,
der eine so breitgefächerte Vegetation aufweist, sowohl
an niedrigen als auch an hohen Planzen, eine Vegetation, die
den Lebensraum für eine Vielzahl an Tieren darstellt,
von Eidechsen bis hin zu Raubvögeln.
(Taverna Balconi) finden Sie die noch einzig erhaltene Wassermühle aus der Zeit von 1800 und das dazugehörende "Wasser-Mühlen-Café", das von Nikos Yfantis und seinem Vater geführt wird! Die Mühle wurde während der Bestzung der Türkey erbaut und war bis 1965 in Betrieb. Eine Besichtigung ist kostenlos und lohnt sich allemal!
Sogar
vom trockenen Land aus ermöglicht das kristallklare
Wasser einen bezaubernden Anblick der Unterwasserwelt und
betont somit den Eindruck von Kontinuität und Gleichgewicht
zwischen Land und Meer. Es ist nicht schwer zu verstehen,
warum diese kleine Insel bereits in prähistorischer
Zeit ein bedeutender Siedlungsort war. Denn sie wird mit
vielen Mythen und Taten aus der Antike in Verbindung gebracht,
und auf ihr sind Denkmäler erhalten geblieben, die an
diese Kulturen erinnern.
Die Ausbreitung des Tourismus hat diese
Insel erst spät erreicht, und er entwickelt sich noch
immer langsam. Dies ermöglicht es, das Gleichgewicht
zwischen Mensch und Natur zu erhalten und bietet dabei
die Möglichkeit - die zugleich eine Herausforderung
darstellt - dass diese Koexistenz auch in der Zukunft ungestört
anhält.
Textliche Auszüge
von: George E. Vougiouskalakis, deutsche Übersetzung:
Tobias Schorr, aus "Blaue Vulkane", Herausgegeben
vom Regionalen Rat der Insel Nisyros.
Dieses
Gemisch stellt das ursprüngliche Magma dar, das bei
den Vulkanen vorzufinden ist, die in Zonen enstehen, in denen
sich eine Lithosphären-Platte unter eine andere schieb.
Wenn dieses Magma bald nach seiner entstehung unter der Erdkruste
schnell an die Oberfläche aufsteigt, bildet sich Basaltlava.
Wenn es jedoch für längere Zeit in der Zone unter
der Erdkruste bleibt, verändert es sich schrittweise,
wobei sich der Anteil an Silizium, Kalium und Natrium erhöht.
Der Basalt wird dabei stufenweise zu Andesit (Siliziumoxid
56-63%), Dazit (Siliziumoxid 63-70%) und schliesslich Rhyolit
(Siliziumoxid
>70%).
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