Sonntag, 09.05.2004
02.30 Uhr.
Monate habe ich auf diesen Moment gewartet: Abfahrt in Oberhofen
am Thunersee in Richtung Kloten/ZH zum Flughafen. Eigentlich
kenne ich diese Situation ja gut, denn ich fliege schon
seit rund 5 Jahren (1-3 mal jährlich) nach Griechenland.
Aufgeregt bin ich jedesmal und auf dem Weg nach Kloten
studiere ich eigentlich immer daran herum, was ich wohl
vergessen habe zu packen. Diesmal war alles etwas anders,
ja sehr speziell und im Gegensatz zu sonst vergass ich
gleich mehre Dinge einzupacken. :-)
Das Besondere diesmal: Mein Platz
ist diemal im Cockpit!
Unterwegs nach Kloten unterhalte ich mich
noch mit Dora über die Neuerungen im Flughafen – da
wurde seit kurzem alles etwas umgebaut. Für Dora war
es natürlich eine andere Aufregung, da sie mich lediglich
an den Flughafen brachte.
04.15 Uhr ca.
Der Flughafen nähert sich und die Aufregung steigt enorm
an. Wir fahren zum Parking 3 da dieses Parkhaus am nähesten
bei den neuen Checkin-Schaltern ist. Dank sehr guter Beschilderung
haben wir das Parking auf Anhieb gefunden. Mit dem Lift gings
nun runter zum Checkin 3. Nun wollte ich mich als erstes
mal dem Gepäck entledigen und suchte vergebens einen
Schalter für Business-Class (C-Class). Ich konnte etwas
später dann doch noch einchecken – an einem der
4 Economy-Schalter.
Nun hiess es, den langen Weg (für Schweizer
Flughafen-Verhältnisse) durch das Flughafengebäude
hinter mich zu bringen. Vor der Passkontrolle verabschiedete
ich mich noch von Dora. Dann ging es weiter die Rolltreppe
hinunter und wieder hinauf bis zum Shuttle-Zug, der mich
zum Gate E brachte. Dort konnte ich ohne
Wartezeit gleich in das Flugzeug von Belair – die „Horizonte“ –
eine Boeing 757-200ER (siehe
unten) einsteigen.
Zunächst einmal habe ich an meinen
gebuchten Platz (1A) gesetzt, wo ich ganz angespannt den
offerierten Proseco genoss. Ein paar Minuten später
klang es dann über die Lautsprecher:
„Herr Brüderlin wird gebeten, sich beim Kabinenpersonal
zu melden..“ – jetzt wurde es ernst und meine
Aufregung schien fast grenzenlos... Ich wurde dann ins Cockpit
begleitet wo mich Käptn’
Dysli und sein Co-Pilot (Name folgt) herzlich
Willkommen hiessen.
06.10 Uhr ca.
Die letzten Checks werden durchgeführt und schon rollt
die „Horizonte“ langsam durch
den Regen in Richtung Startbahn. Die Tourbinen
heulen auf und beschleunigen das Flugzeug kraftvoll innert
wenigen Sekunden auf über 250 Km/h und hebt schliesslich
in Richtung Himmel ab.
Schon nach kurzer Zeit haben wir die Wolken „durchbrochen“
und es eröffnet sich ein strahlendes Paradies. Die Panorama-Sicht
aus dem Cockpit ist einfach überwältigend, ja geradezu
atemberaubend! Bis zur effektiven Flughöhe vergehen
einige Minuten während das Wolkenmeer stetig zu sinken
scheint.
Als wir die Reiseflughöhe erreicht
haben (ca. 34000 Ft. / ca. 11000 Meter)
wurde mir ein ausgiebiges Frühstück serviert. Ich
hätte das Essen vor lauter Aufregung beinahe vergessen,
wenn mich Käpn’ Dysli nicht darauf aufmerksam
gemacht hätte, das der Spinat mit Rührei kalt würde...
:-) Wie immer war das Frühstück köstlich und
sehr reichhaltig, obwohl mir eigentlich vor lauter Aufregung
gar nicht so ums essen war.
Der Flug verlief sehr ruhig, keine Turbulenzen
oder nur ganz schwach. Während des Fluges hatte ich
auch Gelegenheit Fragen zu stellen und das "Klima" im
Cockpit zu geniessen. Beide Piloten waren sehr locker und
konzentriert und erklärten mir so allerlei spannendes über
das Fliegen mit der Boeing. Laufend kommen Funksprüche
zwecks Identifizierung des Flugzeugs. Auch die Koordinaten,
Flughöhe etc. mussten zwischendurch am Autopiloten angepasst
werden. Nicht unwesentlich ist auch das Wetter am Landeort.
Sofern möglich, wird immer gegen den Wind gelandet -
dies ermöglicht eine "weichere"
Landung. Noch vor dem Landeanflug wird auch der Treibstoffverbrauch
errechnet. Da in der Schweiz das Kerosin teurer ist als in
den meisten anderen Ländern, wird natürlich im
Ausland nachgetankt.
Obschon der Flug knapp 3 Std. dauerte kam
es mir so vor, als wären wir nach einer Stunde bereits
wieder am Landen. Bis Nordgriechenland war es leider unter
uns bedeckt, so dass ich erst beim Landeanflug ein paar Fotos
von den Inseln unter uns machen konnte. Als wir Thessaloniki überflogen,
ging es langsam zum Sinkflug über.
Der Wind drehte ab, änderte seine Richtung und aus dem
geplanten Süd-Anflug wurde dann ein Nordanflug.
Die "Horizonte" senkte sich immer mehr, die Inseln
der Dodekanes kamen immer näher und von fern näherte
sich bereits die Insel Kalymnos. Der Autopilot
wurde schon bald ausgeschalten und der Co-Pilot landete die "Horizonte"
mit gleicher Präzision.
Es sind schon sehr aufregende und spannende
Momente, wenn die Landebahn immer näher rückt! "Einfach
gigantisch.." schoss es mir durch den Kopf! Wenn man
bedenkt, mit welcher Leichtigkeit wir 100 Tonnen (und mehr)
durch die Lüfte bewegen und mit welcher "Sanftheit" dieses
Gewicht wieder auf dem Boden aufgesetzt wird! "Nur fliegen
ist schöner..."
- dieser Spruch verdient sein "Privileg" allemal.
Auf der Piste aufgesetzt rollen wir in Richtung
"Ende" der Startbahn und immer gemütlicher
zum Flughafengebäude. Jahrzehnte träumte ich von
diesem Erlebnis - und so schnell war es vorbei... Aber die
Erinnerungen daran werden unvergesslich bleiben und sollte
ich eines Tages (im nächsten Leben) wieder auf diesen
Planeten zurückkommen, so hoffe ich, mein Versäumnis:
Linienpilot zu werden, nachholen zu können!
Fazit
"Nur fliegen ist schöner...! *schmunzel* Ein überwältigendes
Erlebnis! Ich bedanke mich bei all den Menschen die mir dieses
Erlebnis ermöglichten! Punkto Sicherheit kann ich nur
bestätigen was man längstens weiss: Sicherer ist
es nur zu Fuss, am schönsten aber in der Luft!
Und trotzdem möchte ich noch etwas erwähnen, ohne
Partei zu ergreifen: Wenn man bedenkt welche Verantwortung
Piloten übernehmen, welches Erlebnis sie uns durch ihre
Arbeit (auch die Crew!) ermöglichen und mit welcher
Selbstverständlichkeit wir in ein Flugzeug steigen und
wir uns gar "Sicherheit" als Recht
einräumen, so sollten wir nie vergessen: Fliegen ist
eines der schönsten Abenteuer dieses Planeten und wir
sollten diesen Menschen die uns dies ermöglichen, mit
grossem Dank und Respekt entgegenkommen - nichts ist selbstverständlich,
alles ist erarbeitet!
In diesem Sinne: Ganz herzlichen Dank der
gesamten Crew und allen Beteiligten! Ich freue mich schon
auf das nächste Abenteuer! Danke!!
Herzlichst, Andreas
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